.

   

Wir haben ein Zuhause gefunden:

..

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

..

.

.

.

.

.

.

 

.

.

.

.

.

.

.

.

,

,

,

,

,

,

 

Tierheimrundgang via Video:

 

Ein Tag im Tierheim...
- von Gudrun Lincke, Tierheimleiterin -

Wie an jedem Morgen führt mich auch heute mein erster Weg zu den Feuerwehrboxen *) um nachzusehen, ob wir in der vergangenen Nacht „Neuzugänge“ bekommen haben. Glücklicherweise sind beide Zwinger leer. 

Nachdem wir am Wochenende zwei neue Hunde bekamen, wurde es in den Zwingern sehr eng. Keiner der beiden trägt ein Halsband mit Adressenanhänger oder Steuermarke, auch ein Mikrochip **) konnte mit Hilfe des Lesegerätes nicht gefunden werden. Nun heißt es abwarten, ob sich ein Besitzer meldet.

Der Rundgang führt mich weiter zu den Zwingern. Hier muss nachgesehen werden, welche Hunde noch Durchfall haben. Alle Hunde hatten sich nämlich mit einem Darmvirus infiziert. Durchfall und teilweise auch hohes Fieber waren die Folge. Dank der tierärztlichen Behandlung ist heute fast wieder alles in Ordnung. 

Weiter geht es zu den Kleintieren; auch hier hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Bei den Katzen scheint ebenfalls alles in Ordnung zu sein - bis auf "Joda", ein uralter Kater, der bei uns vor einigen Tagen mehr tot als lebendig als Fundtier abgegeben wurde. "Joda" steht heute nicht zur Begrüßung an der Tür, um freudig und voller Ungeduld seine Vitamin- und Aufbaupräparate zu schlecken - er liegt apathisch in seinem Korb und hatte in der Nacht erbrochen. Nach der Fütterung muss "Joda" zum Tierarzt gefahren werden.

Während ich im Büro einige Telefonate erledige, hat Cora Bonnet bereits mit der Zubereitung des Hundefutters begonnen, welches heute aus Lamm und Reis-Diät besteht. Erforderliche Medikamente (z. B. Wurmkur, evtl. Antibiotika, Herztabletten etc.) werden in Leberwurst versteckt und verabreicht. Somit ist die Aufnahme der Tabletten gewährleistet und die Hunde freuen sich über das zusätzliche Leckerle.

Wegen des Risikos einer evtl. Magendrehung werden die Hunde im Wechsel gefüttert, d. h. zuerst bekommen die Hunde Futter, die nicht in der ersten Runde in die Wiesenausläufe gebracht werden. Wenn diese "erste Runde" in die Zwinger zurückkommt, erfolgt deren Fütterung. 

Um die Fütterung der Katzen kümmert sich Conny Bauer; sie kennt die Vorlieben unserer Katzen genau. Auch hier brauchen einige Stubentiger Medikamente, in den meisten Fallen ist es eine Wurmkur, nur wenige bekommen andere Tabletten. Hier ist die Verabreichung nicht so einfach, wie bei den Hunden - Katzen lassen sich mit Leberwurst nicht so leicht austricksen.

Die meisten Katzen haben ein Gespür für versteckte Tabletten und spucken diese - nach dem sie die Leberwurst sorgfältig abgeschleckt haben - wieder aus. Dann müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.  

Nachdem alle Tiere versorgt sind, werden die Wiesenausläufe mit der ersten Runde der Hunde belegt. Dann haben wir Zweibeiner Zeit für einen Kaffee oder Tee und es wird über Veränderungen (Neuzugänge, Vermittlungen, Erkrankungen etc), die sich am Wochenende ereigneten, informiert.

Nach einer kurzen Arbeitsbesprechung, in der die tierärztlichen Behandlungen und sonstiges Anstehende festgelegt und besprochen wird, gehen wir alle zurück an die Arbeit.

Heute ist Großputztag mit anschließender Desinfektion bei den Hunden angesagt. Alle Innen- und Außenboxen werden mit dem Hochdruckreiniger ausgespritzt und abgezogen (getrocknet), ebenso die Pritschen, Gummiliegematten und Körbe. Handtücher und Decken müssen ausgewechselt und gewaschen werden und alle Futterschüsseln sind zu spülen. In der Regel wird diese Arbeit von zwei Kolleginnen ausgeführt; heute hilft noch eine Schülerpraktikantin. Zwischenzeitlich werden die Hunde im Wechsel in die Ausläufe gegenüber dem Tierheim gebracht.

Da am Wochenende einige Hunde aus der Gruppe vermittelt wurden, müssen wir versuchen, welche Hunde sich in die Gruppe integrieren lassen. Hierbei müssen immer mindestens zwei Mitarbeiterinnen wegen eventueller Beißereien anwesend sein.

Bei den Katzen, die in der oberen Etage unseres Tierheimes untergebracht sind, ist die Belegung z. Z. nicht so stark, wie bei den Hunden. Neben sechs Pflegekatzen beherbergt das Tierheim momentan 23 Herrenlose; fünf davon sind so scheu, dass man sie nicht anfassen kann. Dadurch haben diese Tiere kaum eine Vermittlungschance.

Auch hier wird heute gründlich gereinigt, Katzentoiletten müssen ausgetauscht werden, Kacheln und Fensterscheiben sind zusätzlich abzuwaschen, in den Körbchen liegende Handtücher und Decken werden gewechselt und gewaschen. Conny Bauer wird bei dieser Arbeit von einer zweiten Praktikantin unterstützt.

In der Zwischenzeit stelle ich die Behandlungsliste für den fälligen Tierarztbesuch zusammen:

·         neben einigen Impfungen für Hunde und Katzen müssen zwei Kater kastriert und tätowiert werden;

·         neu eingelieferte Hunde, die von ihrem Besitzer nicht abgeholt werden, bekommen einen Mikrochip implantiert;

·         bei einem Kaninchen sind nach einer Operation vor 10 Tagen die Fäden zu ziehen,

·         ein Hund lahrnt zeitweise;

·         ebenso werden einige Medikamente benötigt.

Vom Tierarzt zurück, erfahre ich über "Joda‘s" schlechten Zustand. Seine Nierenwerte sind sehr hoch; ob wir das mit einer speziellen Nierendiät und Infusionen wieder hinbekommen ist sehr fraglich, da der Kater schon sehr schwach und alt bei uns abgegeben wurde.

Nachdem "Joda" versorgt ist, werden die Kleintierunterkünfte, die z. Z. sehr stark mit Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern, Mäusen und Ratten belegt sind, von Rosi Feisel und einer Praktikantin gesäubert.

Sind alle Putzarbeiten bei den Tieren erledigt, kommen die allgemeinen Räumlichkeiten wie Küche, Büro, Flur etc. an die Reihe. Bis es dann um 15:00 Uhr mit dem Publikumsverkehr losgeht, haben wir uns alle die Mittagspause wohl verdient.


Sommerfreilauf für Kleintiere


Um 15:00 Uhr wird geöffnet und viele ‚Gassigeher - aber auch andere Besucher - sind bei diesem wunderbaren Wetter heute gekommen.

Fast jeder Gassigeher hat seinen Liebling, der ihm von Cora Bonnet aus den Zwinger herausgegeben wird. Schnell noch ein Tütchen mit "Leckerlies" einstecken und schon kann es losgehen. Nach ca. 30 - 45 Minuten wird gewechselt, so dass jeder Hund spazieren geführt wird.

Das Telefon steht nicht still, im Vorraum drängen sich die Besucher. Fast jeder hat ein kleines Problem, das wird gemeinsam zu lösen versuchen.

Ein Hund wird gesucht - erleichtert stellen wir fest, dass es einer der beiden Fundhunde vom Sonntag ist. Eine Empfangsbescheinigung muss vom Besitzer unterschrieben werden, dann nimmt er über- glücklich seinen Ausreißer in Empfang. Zum Schluss bekommt er den Rat, am Halsband Adresse und Telefonnummer zu befestigen sowie vom Tierarzt einen Mikrochip implantieren zu lassen, durch den wir mit Hilfe eines Lesegerätes den Besitzer ausfindig machen können.

Etwas später erscheint eine ältere Dame in Begleitung ihrer Tochter. Auf ihrem Arm sitzt eine völlig übergewichtige Katze. Unter Tränen erklärt sie, dass sie sich aus gesundheitlichen Gründen von "Nicki" trennen muss. Sie geht in ein Pflegeheim, wo keine Tiere erwünscht sind, und von den Angehörigen will keiner das alte Tier haben - es könnte ja Tierarztkosten verursachen.

Während Conny Bauer die Katze in die Aufnahmestation bringt und versorgt, bereite ich die Verzichtserklärung vor und verspreche der alten Dame, dass wir uns um die Katze kümmern.

Draußen wartet ein junges Paar, der Mann hat einen Karton mit einer toten Katze auf dem Arm. Beide sind völlig fertig und können kaum sprechen. Nachdem Rosi Feisel die Katze entgegengenommen hat, erfahre ich, dass sie beim Heimkommen ihre Katze im gekippten Fenster vorgefunden hätten - sie war schon tot. Leider passieren solche Unfälle“ sehr oft; immer wieder fragen wir uns, warum. Ist es Unwissenheit???

Das Tierheim ist Tierkörpersammelstelle für die Stadt Offenbach. Verstorbene Tiere können bei uns vom Besitzer direkt abgegeben werden. Die meisten toten Tiere bekommen wir von der Feuerwehr - fast immer handelt es sich hierbei um Verkehrsunfälle. Kein schöner Anblick! Heute ist die Truhe fast voll und die Tierkörperbeseitigungs- Firma muss für die Leerung am nächsten Tag bestellt werden.
Unter den vielen Telefonaten gibt es mehrere Nachfragen nach Pflegeplätzen für die bevorstehende Urlaubszeit. Durch die Aktion ‚Nimmst Du mein Tier, nehm ich Dein Tier‘ können einige Adressen ausgetauscht werden.

Eine allein stehende Damen braucht sofort einen Pflegeplatz für ihren Hund. Sie fährt morgen in Urlaub und die Pflegestelle, bei der sie sich angemeldet hatte, sagte kurzfristig wegen Erkrankung ab. Nach mehreren Telefonaten konnte mit einer privaten Adresse weitergeholfen werden. 

Für den Dobermannrüden "Randy" gibt es Interessenten. Das Paar hatte sich schon vor vier Wochen in "Randy" verliebt und war seitdem regelmäßig mit ihm und seinem Gassigeher unterwegs. Heute sollen die Formalitäten erledigt werden, damit "Randy" auf "Probe" mitgenommen werden kann. Während der Drucker den Vermittlungsvertrag ausdruckt, klingelt schon wieder das Telefon. Eine Erzieherin fragt an, ob sie mit einer Kindergartengruppe das Tierheim besuchen dürfe. Wir vereinbaren einen Termin für 15 Kinder mit Begleitung. Regelmäßig besuchen Kindergärten und Schulklassen unsere Einrichtung, um sich zu informieren.

Der Vertrag für "Randy" ist fertig und unterschrieben, ebenso das Formular zur Anmeldung im Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes. Nachdem der lmpfpass an die neuen Hundebesitzer übergeben wurde, ist jetzt der Augenblick gekommen, wo wir uns von "Randy", der fünf Jahre im Tierheim lebte, verabschieden. "Randy" war schon mehrmals vermittelt und wurde immer wieder zurückgegeben, aber nun haben wir das Gefühl, dass es dieses Mal klappt. Seine neuen Besitzer versprechen, uns zu besuchen, sobald "Randy" sich eingelebt hat. 

Viel Glück, "Randy"!

Mittlerweile ist es fast 17:00 Uhr und die meisten Hunde sind vom Spaziergang zurück. Beim Gassigehen ist einer unserer Hunde mit der Vorderpfote in eine Glasscherbe getreten und blutet stark. Nachdem die Wunde gereinigt und desinfiziert ist, sieht man, dass es sich nur um einen kleinen Schnitt handelt, der aber immer wieder blutet. Mit einem Druckverband kann geholfen werden; nach einer halben Stunde sehen wir nochmals nach ihm - die Blutung ist gestillt, der Verband bleibt sauber und trocken.

Nun beginnt das Nachfüttem: Die Hunde bekommen heute nur Kohlekekse, bei den Katzen werden die leer gefressenen Näpfe noch mal aufgefüllt und die Wasserschüsseln nachkontrolliert.

Im Büro wartet ebenfalls Arbeit:

Verträge müssen abgelegt werden, für neu aufgenommene Tiere wird eine Akte angelegt, die Einnahmen des Tages müssen im Kassenbuch des PC gebucht werden etc.

Es ist nach 18:00 Uhr; Ruhe bei allen Vierbeinern, die zufrieden in ihren Boxen liegen, ist eingekehrt. Nun werden noch alle Zwinger kontrolliert und die Türen abgeschlossen.

Gute Nacht, Vierbeiner!

Ein letzter kurzer Plausch mit den Kolleginnen und das Tierheim wird bis zum nächsten Morgen geschlossen.

Hinweis: Zu diesem Thema steht Ihnen unser Film „Ein Tag im Tierheim Offenbach“ zur Verfügung. Interessenten melden sich bitte in kleinen Gruppen unter Telefon 069 - 85 81 79 an.

 
 
 

*) "Feuerwehrboxen": 2 Zwinger, zu denen die Feuerwehr einen Schlüssel besitzt und Tag und Nacht Zugang hat, um Fundtiere einzuliefern.

**) Chip: Ein Mikrochip hat etwa die Größe eines Reiskorns, ist mit einer Nummer versehen und wird zw. den Schulterblättern unter die Haut gespritzt (schmerzlos).

 

Zum  Seitenanfang